Der Expertenstandard “Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz”

22 Jul

Im Oktober 2017 wurde der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ auf der Konsensus-Konferenz des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) in Osnabrück vorgestellt.

Ich werde Ihnen an dieser Stelle einen ersten Einblick zu den Inhalten und Grundsätzen geben und erläutern, was diesen Standard von anderen Expertenstandards unterscheidet.

Nach dem Beschluss zur Erarbeitung eines Expertenstandards zum Thema „Demenz“ durch den DNQP Lenkungsauschuss hat sich die dazu gegründete Expertenarbeitsgruppe damit beschäftigt, die Fokussierung des Standards zu diskutieren. Dabei ging es des Experten darum, die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz konsequent in den Fokus zu stellen und nicht deren Pflegeprobleme.

Aus diesem Grund einigten sich die Teilnehmer der Expertenarbeitsgruppe darauf, die Beziehungsgestaltung und -Förderung von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt des Standards zu stellen.

In der Zeit von Januar bis Juni 2018 wurde der Expertenstandard in

  • vier ambulanten Pflegediensten
  • drei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz
  • zwei Tagespflegeeinrichtungen
  • elf Stationäre Langzeitpflegeeinrichtungen
  • und neun Krankenhäuser

unter fachlicher und methodischer Begleitung des wissenschaftlichen Teams des DNQP modellhaft umgesetzt.

Die Ergebnisse der modellhaften Implementierung werden im Rahmen des 21. Netzwerk-Workshops am 22. März 2019 in Osnabrück vorgestellt.

Als Grundlage fordert der Expertenstand von allen in der Pflege tätigen Berufsgruppen eine Personen-zentrierte Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz.

Frau Prof. Martina Roes (Wissenschaftliche Leitung der Expertenarbeitsgruppe) sagt dazu:

„In diesem Expertenstandard geht es nicht um das „Was“, sondern eher um das „Wie“

einer zugewandten und verstehenden Haltung der Pflege“. (Konsensus-Konferenz Oktober 2017 Osnabrück)

Genau hier ist auch ihrer Ansicht nach der große Unterschied zu den bereits veröffentlichten Standards zu sehen. Der veränderte Blick auf Menschen mit Demenz spielt eine zentrale Rolle und ist entscheidend für das Gelingen bei der Umsetzung. Es kann es keine konkreten Handlungsanleitungen geben, sondern vielmehr die Aufforderung an die Einrichtungen ein person-zentrierten Praxiskonzeptes zu entwickeln und einzuführen.

In der Präambel zum Expertenstandard wird darauf hingewiesen, dass die mit Demenz einhergehende Veränderung für Betroffene und ihre Angehörigen tiefgreifende und umfassende Folgen haben, die sich bedingt durch Veränderungen in der Interaktion und

Kommunikation, insbesondere in der Beziehungsgestaltung zeigen. Sie beeinträchtigen die Fähigkeiten von Menschen mit Demenz sich zu orientieren, etwas zu verstehen oder beurteilen zu können. Zusätzlich wirken sie sich auf das emotionale und soziale Verhalten

aus. Bei Menschen mit Demenz können dabei die Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit erschüttert werden, was u.a. zu Ängsten führen kann. Dies wiederum kann bei Menschen mit Demenz u.a. zu Rückzug oder einem bindungssuchendem Verhalten z.B. Blickkontakt, wiederholtem Rufen etc. führen.

Als Zielsetzung definiert der Expertenstandard:

„Jeder pflegebedürftige Mensch mit Demenz erhält Angebote zur Beziehungsgestaltung, die das Gefühl gehört, verstanden und angenommen zu werden, sowie mit anderen Personen verbunden zu sein, erhalten oder fördern“

Dazu ist es wie oben beschrieben unbedingt erforderlich, die Beziehungsgestaltung und -förderung in den Mittelpunkt zu stellen. Hierbei wird der Fokus auf die Einzigartigkeit des Menschen gelegt und nicht auf die Erkrankung der Demenz. Menschen mit Demenz werden als gleichberechtigtes Gegenüber wahrgenommen und anerkannt.

Dadurch wird

  • die Aufrechterhaltung des „Personseins“
  • das erhalten und fördern der Gefühle „verstanden und angenommen zu sein“
  • sowie das Gefühl mit anderen Personen verbunden zu sein

gefördert und realisiert.

Zur Begründung der Zielsetzung heißt es:

Beziehungen zählen zu den wesentlichen Faktoren, die aus Sicht von Menschen mit Demenz Lebensqualität konstituieren und beeinflussen.

Durch person-zentrierte Interaktions- und Kommunikationsangebote kann die Beziehung zwischen Menschen mit Demenz und Pflegenden sowie anderen Menschen in ihrem sozialen Umfeld erhalten und gefördert werden.

Die Zielgruppe des Expertenstandards:

Personen mit diagnostizierter Demenz, sowie Personen bei denen sich mit Beginn des pflegerischen Auftrages bzw. im Verlauf der Pflege Anzeichen einer Demenz zeigen (auch ohne Demenzdiagnose)

Angehörige werden auf Wunsch und nach Möglichkeit einbezogen

Abwehrendes und herausforderndes Verhalten, palliative Versorgung und spezielle Versorgung von Menschen mit frontotemporaler Demenz sind in diesem Expertenstand nicht ausdrücklich beschrieben

Der Expertenstandard besteht wie auch die bereits veröffentlichten Standards aus unterschiedlichen Handlungsebenen, die in Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien gegliedert sind.

Im nächsten Blog werde ich auf die Inhalte der einzelnen Handlungsebenen näher eingehen und notwendige Schritte für die Umsetzung in die Praxis erläutern.

Bereits jetzt unterstützen wir Sie gerne bei der Umsetzung des neuen Expertenstandards. Bei Interesse freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Es grüßt Sie ganz herzlich

Heike Willems

 

Quelle:

DNQP Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen      mit Demenz

 

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