Aufgaben und Anforderungen der zusätzlichen Betreuungskraft nach § 43b (vorher 87b)

7 Feb

Zusätzliche Betreuungskräfte sind aus den stationären und teilstationären Einrichtungen nicht mehr wegzudenken und sorgen dafür, dass Bewohner in den letzten Jahren in erheblichem Maß einen Gewinn an Aktivierung und Betreuung erfahren durften.

Die zusätzlichen Betreuungskräfte sollen nach der Betreuungskräfte Richtlinie die betroffenen Pflegeheimbewohner betreuen und aktivieren. Als Betreuungs- und Aktivierungsmaßnahmen kommen Tätigkeiten in Betracht, die das Wohlbefinden, den physischen Zustand oder die psychische Stimmung der betreuten Menschen positiv beeinflussen können.

Als grundlegende Anforderungen an die persönliche Eignung von Menschen, die beruflich eine Betreuungstätigkeit in Pflegeheimen ausüben möchten, gelten:

  • eine positive Haltung gegenüber kranken, behinderten und alten Menschen
  • soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten, Beobachtungsgabe und Wahrnehmungsfähigkeit
  • Empathiefähigkeit und Beziehungsfähigkeit
  • die Bereitschaft und Fähigkeit zu nonverbaler Kommunikation
  • Phantasie, Kreativität und Flexibilität
  • Gelassenheit im Umgang mit verhaltensbedingten Besonderheiten infolge von demenziellen und psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen
  • psychische Stabilität
  • Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Handelns
  • Fähigkeit sich abzugrenzen
  • Fähigkeit zur würdevollen Begleitung und Anleitung von einzelnen oder mehreren Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen
  • Teamfähigkeit
  • Zuverlässigkeit.

Um als Betreuungskraft tätig sein zu dürfen, muss eine 160 Stunden umfassende Weiterbildung absolviert werden. Diese umfasst folgende Inhalte:

  • Grundkenntnisse der Kommunikation und Interaktion unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an die Kommunikation und den Umgang mit Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen,
  • Grundkenntnisse über Demenzerkrankungen, psychische Erkrankungen, geistige Behinderungen sowie somatische Erkrankungen
  • Grundkenntnisse der Pflege und Pflegedokumentation
  • Erste Hilfe Kurs und Verhalten beim Auftreten eines Notfalls
  • Vertiefen der Kenntnisse, Methoden und Techniken über das Verhalten, die Kommunikation und die Umgangsformen mit betreuungsbedürftigen Menschen
  • Rechtskunde (Kenntnis dieser Richtlinien, Grundkenntnisse des Haftungsrechts, Betreuungsrechts, der Schweigepflicht und des Datenschutzes und zur Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen)
  • Hauswirtschaft und Ernährungslehre mit besonderer Beachtung von Diäten und Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • Beschäftigungsmöglichkeiten und Freizeitgestaltung für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und/oder mit Demenzerkrankungen,
  • Bewegung für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und/oder mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen,
  • Kommunikation und Zusammenarbeit mit den an der Pflege Beteiligten, z.B. Pflegekräften, Angehörigen und ehrenamtlich Engagierten.

Zusätzlich gilt es, ein Betreuungspraktikum in einer stationären Pflegeeinrichtung mit einem Umfang von zwei Wochen zu absolvieren.

Jährlich sind zusätzliche Betreuungskräfte dazu verpflichtet, an einer mindestens 16 Unterrichtseinheiten umfassenden Fortbildungsmaßnahme teilzunehmen. In dieser Fortbildung soll das vermittelte Wissen aktualisiert werden und eine Reflexion der beruflichen Praxis stattfinden.

Die Betreuungskräfte sollen in den Pflegeeinrichtungen den Pflegebedürftigen für Gespräche über Alltägliches und ihre Sorgen zur Verfügung stehen, ihnen durch ihre Anwesenheit Ängste nehmen sowie Sicherheit und Orientierung vermitteln. Betreuungs- und Aktivierungsangebote sollen sich an den Erwartungen, Wünschen, Fähigkeiten und Befindlichkeiten der Pflegebedürftigen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Biographie, ggf. einschließlich ihres Migrationshintergrundes, dem Geschlecht sowie dem jeweiligen situativen Kontext orientieren.

Zur Prävention einer drohenden oder einer bereits eingetretenen sozialen Isolation sind Gruppenaktivitäten für die Betreuung und Aktivierung das geeignete Instrument. Die persönliche Situation des Pflegebedürftigen, z. B. Bettlägerigkeit, und seine konkrete sozial-emotionale Bedürfnislage kann aber auch eine Einzelbetreuung erfordern.

(siehe Richtlinien nach § 53c SGB XI zur Qualifikation und zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in stationären Pflegeeinrichtungen (Betreuungskräfte-RL) vom 19. August 2008 in der Fassung vom 23. November 2016 )

In meiner Beraterpraxis erlebe ich in der Regel hoch engagierte zusätzliche Betreuungskräfte, die sich bewusst für die Weiterbildung entschieden haben und ihre Arbeit mit viel Elan und persönlichem Einsatz durchführen. Gleichzeitig erlebe ich aber auch, dass die täglichen Anforderungen an die Betreuungskräfte enorm groß sind und diese Ansprüche erfahren, die durch die Weiterbildung mit 160 Stunden nicht gedeckt werden können. Hier können tatsächlich nur Grundlagen geschaffen werden.

Wichtig ist es, dass Betreuungskräfte in den Einrichtungen von Fachkräften wie Pflegekräften mit gerontopsychiatrischer Weiterbildung, Ergotherapeuten oder Gerontologen unterstützt und begleitet werden. Gerade der Umgang mit dementiell veränderten Menschen setzt eine hohe fachliche Kompetenz voraus, wobei eine jährliche Fortbildung durchaus zuträglich, jedoch meiner Ansicht nach nicht ausreichend ist. Vielmehr gilt es hier fachlich begleitet das eigene Handeln regelmäßig durch Fallbesprechungen, Supervisionen oder kollegialen Beratungen zu reflektieren.

Ein solches Vorgehen erlebe ich in der Praxis leider nur sehr selten und ist für mich auch ein Punkt, warum die Pflegeberufe kein gutes Image haben. Auch in der Pflege ist es längst nicht selbstverständlich, durch gezielte Unterstützungsangebote das eigene Handeln und die eigene Arbeit zu reflektieren und dadurch eine mentale Entlastung für den sehr schweren Alltag zu erfahren. Im pädagogischen und therapeutischen Kontext sind Supervisionen und Fallbesprechungen seit Jahrzehnten etabliert und werden als Ressource sehr geschätzt. Ich denke, für zusätzliche Betreuungskräfte und auch für Pflegende wären Fallsupervisionen gerade im Umgang mit herausforderndem Verhalten ein sinnvoller Beitrag, die Arbeit qualitativ zu verbessern und die Mitarbeiter emotional zu entlasten. Dies würde auch dem Ansehen dieser Berufsgruppen helfen und der wirklich anspruchsvollen Arbeit eine entsprechende Wertschätzung entgegenbringen.

Mit herzlichen Grüßen

Heike Willems

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