Das neue Begutachtungsassessment (NBA) in der Praxis

6 Jan

Am 01.01.2017 wurde der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in die Praxis umgesetzt. Vor einiger Zeit habe ich in unserem Blog schon einmal darüber berichtet, welche Veränderungen sich dadurch für Pflegebedürftige ergeben und wie die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade aussehen wird.

Heute stelle ich ihnen das NBA inhaltlich näher vor und gehe dabei insbesondere auf die Erläuterung der „Beurteilung von Selbständigkeit“ ein.

Nach der Richtlinie des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist eine Person selbständig, die eine Handlung bzw. Aktivität alleine, d.h. ohne Unterstützung durch andere Personen oder unter Nutzung von Hilfsmitteln, durchführen kann. So liegt eine Beeinträchtigung von Selbständigkeit nur vor, wenn personelle Hilfe erforderlich ist. Damit sind alle unterstützenden Handlungen gemeint, die ein Pflegebedürftiger benötigt, um die betreffenden Handlungen durchzuführen. Bei der Begutachtung wird durch die Prüfer bewertet, ob die Personen die Aktivitäten praktisch mit den vorhandenen somatischen und mentalen Fähigkeiten durchführen können.

Die Selbständigkeit wird in den Modulen Mobilität, Selbstversorgung und Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (Module 1,4 und 6) mit Hilfe einer 4-stufigen Skala bewertet.

0 = selbständig
Bei einer Bewertung mit 0 kann die Person die Aktivität/Handlung in der Regel selbständig durchführen. Hierzu zählt auch, wenn die Selbständigkeit unter Nutzung von Hilfsmitteln aufrecht erhalten wird. Ausschlaggebend ist, dass die Person nicht von personeller Unterstützung abhängig ist. Im Bereich Bewegung zählen z.B. Bewohner dazu, die mit Hilfe eines Rollators selbständig gehen können, oder die sich mit Hilfsmitteln wie einer Strickleiter im Bett aufsetzen können.

1 = überwiegend selbständig
Bei einer Bewertung mit 1 kann die Person den größten Teil der beurteilten Handlung selbständig durchführen, wobei ein geringer Unterstützungsbedarf durch eine Pflegeperson besteht. Hierzu zählt z.B. das Zurechtlegen oder Bereitstellen von Gegenständen, damit eine Aktivität durchgeführt werden kann. Auch das punktuelle Erinnern mit dem Essen oder Trinken anzufangen oder weiterzumachen, gehört in diesen Bereich und wird mit einem überwiegend selbständig bewertet. Folgende Unterstützungen fallen in diesen Bereich

  • Aufforderungen Tätigkeiten durchzuführen
  • Unterstützung bei der Entscheidungsfindung
  • Partielle Beaufsichtigung und Kontrolle
  • Punktuelle Übernahme von Teilhandlungen
  • Anwesenheit aus Sicherheitsgründen

2 = überwiegend unselbständig
Bei einer Bewertung mit 2 kann die Handlung lediglich zu einem geringen Anteil selbständig durchgeführt werden, wobei eine Beteiligung noch möglich ist. Der Unterstützungsbedarf kann zum einen durch aufwendige Motivation oder der Übernahme von Teilschritten der Aktivität geprägt sein. Der Unterstützungsbedarf kann des Weiteren folgende Punkte umfassen:

  • Ständige Motivation
  • Ständige Anleitung
  • Ständige Beaufsichtigung und Kontrolle
  • Übernahme von Teilhandlungen

3 = unselbständig
Bei einer Bewertung mit 3 kann die Person die Handlung nicht mehr selbständig durchführen. Die Person hat auch keine Ressourcen, Handlungen zum Teil selber durchzuführen. Die Person ist darauf angewiesen, dass eine Pflegeperson fast alle Handlungen für ihn übernimmt.

Im Modul Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte heißt unselbständig, dass die Person keinen oder fast keinen Kontakt zu anderen Personen aufnimmt, nicht in der Lage ist bei der Strukturierung des Tagesablaufes mitzuwirken oder Anleitungen und Aufforderungen kognitiv nicht umsetzen kann.

In den restlichen Modulen 2, 3 und 5 werden andere Bewertungskriterien angewandt, die ich in einem nächsten Blogbeitrag erläutern werde.

Quelle: Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit
nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches August 2016

Bei Fragen können Sie uns selbstverständlich gerne ansprechen.

Es grüßt Sie herzlich

Heike Willems

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone